Bei der Erstellung von mobilen und Web-Apps muss der Nutzer im Mittelpunkt stehen. Unser Produkt kann noch so toll sein – wenn der Nutzer nicht einmal in der Lage ist, sich darin zu registrieren, ist es für ihn sinnlos. Die kritische Phase der App-Entwicklung besteht daher aus sogenannten Usability-Tests, also der Überprüfung, wie leicht oder schwer die App zu bedienen ist. Wissen Sie, wann Sie das am besten vornehmen und ob Sie die schnelle oder die langsame Variante wählen sollen?

Alles läuft auf den Nutzer hinaus

Während der Designphase eines digitalen Produkts versuchen wir, so viel wie möglich auf dem Wissen der Nutzer aufzubauen. Wir versuchen, von unserem Kunden oder durch Forschung direkt bei den Nutzern so viel wie möglich über sie herauszufinden.

Wenn wir den Nutzer ausführlich kennenlernen, können wir ein Produkt schaffen, das den richtigen Mehrwert hat und das der Nutzer zu schätzen weiß. Nutzerforschung dient uns dazu, das Nutzerverhalten und ihre Probleme und Bedürfnisse zu verstehen.

Durch Vereinfachung können wir in dem Moment, wo wir wissen, was das Produkt beinhalten soll und welche Prioritäten hinsichtlich Funktionalität bestehen, einen Prototyp erstellen. Dabei handelt es sich um ein funktionales, klickbares Schwarz-Weiß-Design (Wireframe). Es ermöglicht Kunden und Nutzern nicht nur, sich ein Bild davon zu machen, wie das Endprodukt aussehen wird, sondern vor allem davon, wie es funktionieren wird.

Wozu sind Usability-Tests gut?

Selbst professionelle, sehr erfahrene Designer können nicht fehlerfrei vorhersagen, wie die jeweilige Zielgruppe das Produkt aufnehmen und nutzen wird. Deshalb dürfen Tests nie fehlen. Der beste Zeitpunkt für die Testphase ist noch vor der Erstellung der endgültigen Version durch die Designer.

Usability-Tests sind für uns im Grunde eine Möglichkeit, um das Ergebnis unserer Arbeit an realen Nutzern validieren zu können. Das geschieht zwar unter Laborbedingungen, aber in dennoch realen Situationen. So haben wir die Chance, viele verschiedene Menschen zu treffen. Unzufriedene, denen nichts an der App gefällt, aber die kein einziges Problem bei der Benutzung hatten; bescheidene, stille Nutzer, die Ihnen mir nichts, dir nichts eine Idee für zwei neue Versionen der App liefern können, oder redselige Ältere, die die Geschichte der F1 in einem Anlauf nacherzählen können.

Gute Vorbereitung ist entscheidend

Neben dem Prototyp braucht man Screener, Testszenario und – natürlich – Personen zur Befragung.

Der Screener besteht grundsätzlich aus Anforderungen, anhand derer geeignete Personen ausgewählt werden können. Dazu gehören die grundlegenden demografischen Daten der Zielgruppe, ihre Erfahrungen mit dem Thema, ihre Vertrautheit mit der Konkurrenz usw. Ein Beispiel wäre eine 30- bis 35-jährige Mutter in Elternzeit aus der näheren Umgebung von Berlin, die aus Zeitmangel online bei verschiedenen Anbietern Lebensmittel einkauft. Wir versuchen, den Nutzer so genau wie möglich zu beschreiben, sind uns jedoch gleichzeitig bewusst, dass es umso schwieriger wird, Testpersonen zu finden, je genauer die Anforderungen sind.

Das Testszenario beinhaltet die einzelnen Aufgaben, die die Testpersonen während des Tests ausführen müssen. Wir konzentrieren uns auf die wichtigsten Aspekte des Produkts. Alles zu testen ist nicht erforderlich und würde Veranstalter, Testpersonen und den Geldbeutel des Kunden zu sehr beanspruchen. Eine typische Aufgabe beim Testen einer App für den Online-Lebensmitteleinkauf könnte wie folgt lauten: Ihr Mann hat Nachbarn zu einer Grillparty eingeladen. Sie wissen, dass diese kein Fleisch essen und möchten für alle ein leckeres Essen zubereiten. Wie gehen Sie beim Einkaufen von Lebensmitteln vor?

Wir testen 5 Personen und haben für jede eine Stunde vorgesehen. Anhand dieser Anzahl von Befragten können wir zentrale Schwachstellen aufzeigen. Bei einer größeren Anzahl von Befragten neigen die Ergebnisse dazu, sich zu wiederholen und es ist daher nicht notwendig, weitere Zeit und Geld zu investieren.

Es geht nicht um Nutzerforschung

Usability-Tests an sich sollten, wie die Namensgebung vermuten lässt, auf die Nutzerfreundlichkeit des Produkts bezogen sein. Deshalb beobachten wir, ob die Nutzer die einzelnen Aufgaben bewältigen können und was ihnen Probleme bereitet. Das Ziel ist dabei nicht, die Nutzerforschung zu ersetzen. Es geht nicht darum, herauszufinden, ob die Personen überhaupt an der App interessiert sind oder wie sie sich das Produkt vorstellen.

Andererseits gibt es Situationen, in denen keine umfangreiche Forschung vorliegt und wir daher zumindest einige Informationen über die Bedürfnisse der Nutzer herausfinden möchten. Dies ist jedoch nur ein zweitrangiges Anliegen, für das bei längeren Tests möglicherweise keine Zeit bleibt.

Testen auf zweierlei Art

Grundsätzlich nutzen wir zwei Testansätze. Beim ersten wird das vollständige Produkt nach Fertigstellung aller Wireframes getestet. Wir gehen mit dem Nutzer das ganze Produkt, oder genauer gesagt, seine zentralen Bestandteile, in einer Sitzung durch und erhalten komplexe Informationen über die Nutzerfreundlichkeit.

Der zweite Ansatz besteht aus kurzen und schnellen Tests ausgewählter Funktionalitäten. In diesem Fall geben wir den Nutzern den entsprechenden Teil der App – z. B. Suche und Filtern der Produkte im Online-Shop – zur Überprüfung. So können wir nach und nach alle Teile des Produkts, die problematisch sein könnten, validieren.

Für den Test des Gesamtprodukts benötigen wir 5 Testpersonen, die idealerweise die Detailanforderungen des definierten Screeners erfüllen. Diese Methode ist ideal für eng und klar definierte Zielgruppen. Mit den Erkenntnissen aus den Tests wird das Produkt anschließend modifiziert und Bugs werden behoben.

Im Gegensatz dazu wird beim Schnelltest, in dem nur ausgewählte Funktionalitäten validiert werden, der Test in mehrere Teile aufgeteilt, wofür mehr Testpersonen benötigt werden – genauer gesagt 5 Personen pro Funktionalität. Dieser Ansatz ist für breitere Zielgruppen geeignet, da ihre Testpersonen relativ leicht zu finden sind. Gleichzeitig können wir das Produkt schnell und noch während seines Entstehungsprozesses validieren und bei Bedarf Wiederholungen durchführen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Tests in frühen Stadien des Produkts erfolgen und sich so auch die Entwickler ein Bild über das Produkt machen können. Dadurch sind sie gut auf das Projekt vorbereitet. Dabei werden für jede Testperson nur wenige Minuten benötigt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Zielgruppe den Testansatz vorgibt. Es ist immer notwendig, das Produkt selbst, den Kunden und den Zeitrahmen des Projekts zu berücksichtigen.

Zuviel Vorsicht gibt es nicht

Usability-Tests sind einer der wichtigsten Bestandteile der Erstellung eines digitalen Produkts und daher nicht zu unterschätzen. Sie sind im Grunde das Mindeste, was wir für das Produkt tun können, bevor wir es in die Welt entlassen. Ein paar Tage Arbeit zu investieren ist zweifellos besser, als mit Ihrer mobilen oder Web-App einen schlechten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Im schlimmsten Fall schafft ein Nutzer es nicht einmal durch die Startansicht – eine der gravierendsten Situationen, die uns bisher im Test begegnet sind. Bis zu 3 von 5 Personen haben nicht erkannt, dass sie versucht haben, sich mit dem Login-Formular zu registrieren. Sie waren sich sicher, dass die App einfach nicht funktioniert.

Dabei spielt es keine Rolle, ob wir eine umfangreiche Nutzerforschung hinter uns haben oder ob wir beim Testen den fertig entworfenen oder den Wireframe-Prototyp verwenden. Das Wichtigste ist, dass es einen Test gibt. Meistens testen wir allerdings Wireframes. Diese sind einfacher zu ändern als das endgültige Design.

Auch die Verständlichkeit des Produkts lässt sich validieren. Beim Testen einer App zum Suchen und Erstellen von Experience-Events haben wir festgestellt, dass die Nutzer nicht richtig zwischen Suchen und Erstellen unterscheiden konnten. Bei der Aufgabe, bestehende Events zu suchen und zu filtern, haben sie versucht, ihre eigenen zu erstellen.

So konnten wir zunächst dank der Tests dem Kunden viel Geld sparen, das er nach dem Release der App für Redesign und Programmierung hätte ausgeben müssen. Darüber hinaus haben wir verhindert, dass eine unverständliche App im Store landet. Das hätte im Wesentlichen für jeden Tag bis zur verbesserten Version Gewinnverluste bedeutet.

Live-Betrieb

Sind Tests wichtiger als Nutzerforschung? Die Antwort ist in den meisten Fällen nicht ganz so einfach. Wenn Sie keine Vorstellung von Ihren potenziellen Nutzern haben, hilft Ihnen das Testen nicht weiter. Es stimmt, dass Kunden oft dazu neigen, ein Produkt für alle zu wollen, und dass Nutzerforschung oft zeit- und kostenintensiv ist. Dies gilt jedoch nur, wenn man nicht weiß, wer das Produkt nutzen wird und ob es überhaupt einen Bedarf dafür gibt.

Wenn wir eine Vorstellung von der Zielgruppe haben und uns darauf einigen, dass wir keine detaillierte Forschung durchführen werden, können wir während der Tests immer noch zumindest etwas Feedback von den Befragten erhalten. Das beste Feedback allerdings kommt nach wie vor von den tatsächlichen Nutzern, wenn die App oder Website bereits veröffentlicht ist und die Nutzer sie im Live-Betrieb nutzen. So können wir unser Produkt im Laufe der Zeit ständig verbessern. Der Launch des getesteten Produkts ist nicht das Ende der App Entwicklung.

Dank schneller Entwicklung und Tests können wir das Produkt so schnell wie möglich unter die Nutzer bringen und danach können wir uns auf authentische Bewertungen im App Store oder bei Google Play freuen. Diese können uns manchmal positiv oder auch negativ überraschen. Aber sie sind immer ein wertvolles Feedback.

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